103. Kunstauktion am 24. Januar 2009
Das breit gefächerte Angebot der großen Winterauktion des Kunst- und Auktionshauses Peter Karbstein hält für Kunstfreunde zahlreiche Highlights bereit. Neben eindrucksvollen Werken aus dem Bereich der Kunst des 19. Jahrhunderts, bestechen besonders die Objekte bekannter Künstler der Moderne, wie Otto Modersohn, Georges Rickey, Bernhard Heiliger etc.
Nachbericht zur 103. Auktion
Zahlreiche Bieter aus ganz Deutschland und dem Ausland wurden durch das bestechende Angebot der großen Winterauktion am 24. Januar 2009 im Kunst- und Auktionshaus Peter Karbstein angelockt. Besonders in den Bereichen der Kunst des 19. Jahrhunderts und der Moderne konnten beachtliche Erfolge erzielt werden.
Dazu zählt u. a. die romantische Rom-Ansicht „Nachmittag am Kolosseum“ des österreichischen Malers Robert Alott (Los 56) von 1898. Das Los erfreute sich besonderer Beliebtheit und brachte die Gebote schnell über die Schätzung von 6.000,- bis 8.000,- Euro hinaus. Das Rennen um das eindrucksvolle Ölbild machte der italienische Handel mit dem Gebot von 11.000,- Euro. Ein weiteres Werk des 19. Jahrhunderts ist Ferdinand de Braekeleers „Belauschte Zusammenkunft“ (Los 74) von 1848. Gleich mehrere Interessenten aus dem In- und Ausland überboten sich in einem spannenden Bietergefecht um das Ölgemälde des belgischen Künstlers. Den längsten Atem bewies jedoch ein Landsmann des Malers im Saal und sicherte sich das Werk für 11.000,- Euro.
Der in Gedanken versunkene Blick des „Verträumten Jungen“ von Hugo Oehmichen (Los 91) rührte einen rheinischen Sammler und veranlasste ihn zu dem Gebot von 3.800,- Euro (Schätzpreis: 2.000,- bis 3.000,- Euro). Ein Überraschungslos war Hubert Kaplans kleines Ölbild „Rast im winterlichen Wald“ (Los 107). Zahlreiche schriftliche Vorgebote sowie Telefonbieter trieben den Preis für die in fröhlichen Farben gehaltene Winterszenerie in die Höhe. Letztlich konnte sich ein Bieter im Saal mit seinem Gebot von 1.600,- Euro behaupten (Schätzung: 800,- bis 900,- Euro).
Auch der unter Sammlern heiß begehrte Maler Fritz von Wille war mit einer besonders stimmungsvollen Landschaftsdarstellung vertreten. Das großformatige Werk „Herbststimmung in der Eifel“ (Los 138) von 1915 übertraf mit dem Hammerpreis von 5.000,- Euro die Schätzung von 2.000,- bis 3.000,- Euro und ging an einen rheinischen Sammler. Von dem berühmten Worpsweder Maler Otto Modersohn kam eine nächtliche Dorfansicht mit einer in atmosphärisches Mondlicht getauchten Brücke und einer Windmühle zum Aufruf. Das Gemälde „Mondnacht mit Brücke und Mühle“ (Los 164) konnte durch ein Gebot am Telefon für 17.000,- zugeschlagen werden. Das Höchstgebot von 7.000,- Euro eines Bieters aus Großbritannien für Mela Muters nachdenkliches „Selbstporträt“ (Los 162) konnte die Schätzung von 6.000 bis 8.000,- Euro bestätigen.
Aus der Abteilung Bronzeplastik entfachte der „Parzival“ (Los 166) von Albert Hinrich Hussmann schon im Vorfeld der Auktion großes Interesse unter den Kunstliebhabern. Ein Bieter im Saal konnte sich mit seinem Gebot von 6.000,- Euro durchsetzen und sich das Reiterbildnis des mittelalterlichen Helden sichern. Aus dem Themenkreis der Tierplastik gehörte „Der Bär“ (Los 176) des schwedischen Bildhauers William Zadig zu den Favoriten der Kunstbegeisterten. Der Zuschlag von 2.600,- Euro, zu Gunsten eines Saalbieters, korrigierte den Schätzpreis der kolossalen Bronze nach oben. Den Höhepunkt der modernen Plastik markierte das fünfteilige Aluminiumobjekt „Ohne Titel“ (Los 182) des amerikanischen Plastikers George Rickey. Das kinetische Gebilde, welches sich durch dynamisch wirkende, elegante Formen auszeichnet, war 1999 Teil einer Ausstellung in der Philadelphia Art Alliance und wurde durch das Gebot eines rheinischen Sammlers zum Limit zugeschlagen.
Auch die Papierarbeiten der 103. Auktion erfreuten sich großem Zuspruch. So kann sich beispielsweise die junge Dame (Los 221) auf der Pastellkreide des französisch ukrainischen Künstlers Sascha Zaliouk nach dem Hammerpreis von 1.700,- Euro nun in Österreich niederlassen. Ein schönes Ergebnis erzielte auch das Blatt „Im Herbstwind“ (Los 327) von Ernst Wilhelm Nay. Ein westdeutscher Sammler konnte sich mit seinem Gebot von 2.400,- Euro gegen die Konkurrenz am Telefon durchsetzten und sicherte sich die expressive und figurenreiche Bleistiftzeichnung (Taxierung: 1.000,- bis 1.200,- Euro). Hartnäckig verteidigte ein Saalbieter sein Interesse an Otto Pienes Feuergouache „An eye an egg“ (Los 344) gegen einen ausländischen Telefonbieter und erhielt das Los für 2.200,- Euro (Schätzung: 1.200,- bis 1.400,- Euro).
Vorbericht zur 103. Auktion
Die Düsseldorfer Malerschule wird u. a. repräsentiert durch den Schirmer-Schüler Andreas Achenbach (1815-1910). Auf seinem frühen Ölgemälde „Hafen an der Holländischen Küste“, kämpfen Seeleute gegen den starken Wellengang am Ufer an. Achenbachs Reisen nach Holland inspirierten ihn zu dieser mit 20.000,- bis 25.000,- Euro taxierten, dramatischen Hafenszenerie. Das Werk war Teil der Dauerausstellung im Altonaer Museum Hamburg. Von Joseph Nikolaus Bütler (1822-1885), ebenfalls ein Schirmer-Schüler, kommt das auf 6.000,- bis 8.000,- Euro geschätzte Gemälde „Gebirgstal“ zum Aufruf. Das großformatige Bergpanorama ist typisch für Bütlers Oeuvre und repräsentiert seine Vorliebe für Alpenmotive aus der Schweiz.
Auch dieses Mal werden Werke der beliebten Düsseldorfer Maler Fritz von Wille, Wilhelm Hambüchen und German Grobe die Aufmerksamkeit der Bieter auf sich ziehen. Von letzterem überzeugt das Seestück „Abend am Strand (Fischerboote)“ mit seiner stimmungsvollen Atmosphäre (Schätzpreis: 3.000,- bis 4.000,- Euro).
Passend zur kalten Jahreszeit und zu den eisigen Temperaturen zeigt Johannes Bartholomäus Duntzes (1823-1895) fein gemaltes Winterbild eine „Schlittenfahrt am See“ (Schätzung: 6.000,- bis 7.000,- Euro). Unter der heißen Mittagssonne schwitzen Arbeiter auf einer weitläufigen Baufläche in Hugo Mühligs (1854-1929) Genrebild „Auf der Baustelle“. Das mit 3.000,- bis 4.000,- Euro angesetzte Werk stellt eine Besonderheit im Oeuvre des bekannten Malers dar. Heinrich Hartung ist mit gleich zwei pittoresken Frühlingsdarstellungen vertreten. Beide Werke verbinden gekonnt genrehafte Szenen ländlicher Arbeit in idyllischer Umgebung mit romantischer Architektur („Frühling an der Kapelle“, „Frühling an der Burgruine“: Schätzpreis je: 5.000 - 6.000). Das Angebot umfasst noch eine Vielzahl weiterer Düsseldorfer Künstler, wie Robert Pudlich, Herbert Boettger, Eugen Kampf etc.
Nicht weniger bemerkenswert sind die Werke der Vertreter der internationalen Künstlerschaft. Zwei malerische Ansichten aus Italien von Eloi Noel Bouvard (1870-1956) und Robert Alott (1850-1910) werden das Interesse vieler Kunstkenner erregen. Der Licht durchfluteten „Venedig“-Darstellung von Bouvard (Schätzung: 15.000,- bis 17.000,- Euro) liegt eine Expertise von Ludovic Saulnier bei. Auf Alotts vielfigurigem Gemälde „Nachmittag am Kolosseum“ erscheint das berühmte Bauwerk seinen Besuchern im stimmungsvollen Licht der späten Nachmittagssonne (Schätzung: 6.000,- bis 8.000,- Euro).
Bei Arnold Balwés (1898-1983) Gemälde „Garten im Spätsommer“ handelt es sich um ein besonders schönes Exemplar der für den Maler typischen Blumenstücke. Die mit 25.000,- bis 27.000,- Euro taxierte Arbeit ist ein hervorragendes Beispiel für Balwés expressive Malweise, die geprägt ist von einer hellen, leuchtenden Farbigkeit.
Von dem bekannten Worpsweder Maler Otto Modersohn (1865-1943) stammt eine in atmosphärisches Mondlicht getauchte, nächtliche Dorfansicht mit Windmühle und Fluss mit Brücke. Das Werk „Mondnacht mit Brücke und Mühle“ hat einen Schätzpreis von 16.000,- bis 18.000,- Euro.
Ein junger Mann folgt heimlich einem in inniger Umarmung wandelnden Pärchen. Die Szene „Galanterie im Park“ spielt sich auf einer von Bäumen umgebenen steinernen Treppe ab und ist ein typisches Beispiel für Carl Hoffs (1838-1890) romantische Figurenbilder in historischen Kostümen (Schätzpreis: 5.000,- bis 6.000,- Euro).
Mit expressivem Pinselstrich zeigt sich die polnische Malerin Mela Muter (1876-1967) in ihrem „Selbstportrait“. Das nachdenkliche Bildnis ist mit 6.000,- bis 8.000,- Euro taxiert.
Das Angebot der Kunst der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts wird abgerundet durch zwei besonders interessante Bleistiftzeichnungen des berühmten Surrealisten René Magritte (1898-1967). Bei dem beidseitig bearbeiteten Blatt „Weibliche Akte/ Tetes des hommes/ Hommes que mange Cordeliéres“ handelt es sich um den Umschlag des Katalogs der Ausstellung „Exposition suréaliste Tendances contemporaines Magritte á la Louviere 1935“ (Schätzung: 4.500,- bis 5.000,- Euro). Die zweite Handzeichnung stammt aus einem Skizzenbuch und zeigt diverse Variationen zu dem Gemälde „Le jockey perdu“ (Schätzung: 4.000,- bis 4.500,- Euro).
Im Bereich der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts finden Sammler u. a. interessante Werke der Zero-Gruppe. Günther Uecker ist mit einer seiner bekannten Handverreibungen vertreten. Die Arbeit „Gespaltene Felder“ wird auf 5.000,- bis 6.000,- Euro taxiert. „An eye an egg“ ist der Titel der Feuergouache von Piene, die für einen Schätzpreis von 1.200,- bis 1.400,- Euro zum Aufruf kommt.
Besondere Highlights hält die Abteilung der modernen Plastik bereit. Georges Rickey (1907-2002), einer der wichtigsten Vertreter der Kinetischen Kunst, ist mit einer unikaten Aluminiumplastik „Ohne Titel“ vertreten. Das mit 52.000,- bis 55.000,- Euro angesetzte Objekt überzeugt durch dynamisch wirkende, elegante Formen und war 1999 Teil einer Ausstellung in der Philadelphia Art Alliance. Mit der Zementplastik „Sich entwickelnde Form“ von Bernhard Heiliger (1915-1995) wird ein weiteres Unikat geboten. Die Plastik ist eine Marquette für eine für den Vorhof des Max Planck Instituts in München geplante Skulptur, welche jedoch nie verwirklicht wurde (Schätzpreis: 12.000,- bis 14.000,- Euro). Aus dem Bereich der figürlichen Plastik bestechen der posthume Bronzeguss „Mädchen mit aufgestütztem Bein“ von Wilhelm Lehmbruck (9.000,- bis 10.000,- Euro) und die Gipsplastik „femme nue“ von der französischen Bildhauerin Germaine Richier (1904-1959; Schätzung: 4.500,- bis 5.500,- Euro).
